Aufgeschrieben in Zwergenrunen auf den letzten Seiten eines alttulamidischen Notizbuches, erhalten durch die Kraft eines Konservierungszaubers. [Meisterinformationen in Klammern]
Mein Name ist Thorbar, Sohn des Baladur. Ich wurde lange vor dem Beginn der Drachenkriege [2100 v.BF] in den Hallen des Amboßgebirges geboren, zusammen mit meinem Rogar [Zwilling] Thork. Kurz vor unserer Feuertaufe wurde er Opfer eines Wyrm, der überraschend vor unseren Toren auftauchte, getarnt durch irgendeine Magie. Thork hatte keine Chance. Der Schock saß tief, das ganze folgende Jahr einschließlich meiner Feuertaufe erlebte ich wie in Trance.
Dann traf ich Kubax. Er bezeichnete sich selbst als Forscher, der der Herrschaft des »echsischen Gezüchts« über die Lande ein Ende bereiten wollte. Seit vielen Jahren forschte er schon nach einer Magie, die Drachen zu bannen. Auch in mir spürte er die Gabe, und ich wäre derjenige, die Geschuppten zu zerschmettern und zu tilgen vom Antlitz der Welt.
Erstmals seit meinem Verlust verspürte ich eine Motivation zum Weiterleben. So begann ich, die Regeln der Magie zu erlernen.
Jahrzehnte vergingen, und Rückschläge begleiteten unsere Arbeit - das Beste, das wir je erreichten, war die Vertreibung einer Handvoll Lurche aus unserer Laubhütte. Zweierlei fehlte uns: die Kraft, auch große Echsen dauerhaft zu verjagen, und ein Schlüssel zur Verankerung einer solchen Magie.
Dann trafen wir Ismael, einen hochgewachsenen Mensch aus dem Südland, der ebenfalls über die Gabe verfügte und versprach, unsere Wissenslücken zu füllen.
Ein Geheimnis bestand darin, einen Quell der Kraft zu finden. Also einen Ort, an dem starke Flüsse der Kraft sich kreuzten und Sumus Energien besonders leicht zugänglich waren - zugleich aber fern von den Schauplätzen des Streits, um uns nicht zu früh zu enttarnen gegenüber dem Goldenen.
Unsere Gruppe - unser Zirkel - war mittlerweile auf fünfzehn Angroschim angewachsen, und gemeinsam mit dem Mensch zogen wir nordostwärts. Wir fanden einen Platz, der in jeder Hinsicht ideal war: im kühlen Norden, wo die Echsen sich selten wohl fühlten, in der Nähe eines riesigen erloschenen Vulkans, also Angrosch nahe, und in einem herrlichen Schnittpunkt von Fäden der Kraft.
Im Zuge weiterer Forschungen bauten wir neben der ersten, gut versteckten Höhle eine weitere. Wir glaubten uns sicher, so wurde die Höhle größer und komfortabler und bekam einen normalen Zugang. Außerdem stellten wir einen noch besseren Kreuzungspunkt tiefer im Fels fest, auf den wir unsere Höhle hin ausrichteten.
Wir waren erfolgreich - nach Jahren der Forschung gelang die Verankerung eines Zaubers, der im Umkreis mehrerer Meilen jede Echse zu vertreiben vermochte. Doch was sich zuerst als Krönung unserer Forschung darstellte, allenfalls getrübt von einigen störenden Nebeneffekten, entpuppte sich zunehmend selbst als Nebeneffekt einer fatalen Irrung.
Oh, waren wir verblendet gewesen! All die echsisch-kultischen Ritualartefakte, die wir errichtet hatten, all die magische Kraft, die wir hatten fließen lassen - wie geschickt waren wir getäuscht worden! Und fataler noch, als der Verräter es geplant hatte, war das Resultat geworden!
Nicht nur, daß wir ein Tor zu den Andersphären geschaffen hatten - verankert auf ewige Zeiten in einer Blase benachbart zu unserer ersten Höhle, nein, zudem hatte sich eine fremde Macht in jenem Artefakt manifestiert, das unsere Konstruktion mit Kraft speiste, und diese Macht ließ keinen von uns mehr zu sich heran - nicht an den Fokus, nicht an die vier Nodices der Steuerung.
Doch all dies hatte Ismael geplant, war vorbereitet auf das Erscheinen des Tores wie auf den bösartigen Bewohner unserer Kraftquelle.
Nicht vorbereitet war er - wie auch wir - auf Ingerimms Zorn, der unvermittelt über uns hereinbrach, den Ausgang unserer Höhle verschloß und das Tor zum Fokus aufspringen ließ.
Ismael war der erste, der dem Seelenfresser zum Opfer fiel, dann folgten mehrere meiner Brüder in rascher Folge, bevor wir die Rezitation einleiten konnten. Doch zu spät! Als letztem Überlebenden gelang es mir, die Tür zu schließen, den Schrecklichen Geist zu bannen in seinem Kreis. Doch zu geschwächt war mein Körper wie mein Geist, das Werk zu zerstören - die Aufgabe, deren Erfüllung mir versagt bleibt.
So lege ich diese meine Geschichte hier nieder, um zu erklären, was geschah, um zu warnen, was kommen mag, um aufzuzeigen, wie vermessen wir waren. Wer auch immer dies lesen mag, vergebt uns!
Meine Kräfte schwinden, ich muß schließen, dies Werk in Sicherheit bringen
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